Allgemein Klatsch & Tratsch Schule & So

Bücher, Bücher, Bücher …

Na ja. Die kennt ja jeder von euch. Und ihr habt ja alle auch einen Lieblingsautor/Lieblingsautorin. Viel interessanter ist doch eigentlich, was mit den Büchern passiert, die dann in einem Buchladen landen. Ich meine hier natürlich nicht den Hugendubel oder Amazon. Nein. Ein richtiger Buchladen. Von denen gibt es in Deutschland leider nicht mehr so viele, da alle Leute ihre Bücher nur noch im Internet bestellen. Aber dazu kommen wir später nochmal. Um zu erfahren, was so um einen Laden, den Verkäufer und die Bücher herum passiert, habe ich mir eine Interviewpartnerin gesucht. Ihr Laden steht in der Landsbergerstraße in Pasing.


Mit wie viel Jahren haben Sie denn ihren Buchladen eröffnet?
Selbstständig bin ich seit zehn Jahren. Und vorher war ich über zwanzig Jahre als Buchhändlerin
angestellt.


Haben Sie hier jedes Buch im Laden gelesen?
Nein, aber ich bemühe mich, einen großen Teil der Bücher, die ich hier habe, zu kennen. So zu kennen, dass ich sie weiterempfehlen kann oder zumindest weiß, worum es in dem Buch geht. Aber ich habe vieles von dem, was ich hier habe, tatsächlich gelesen.


Was lesen Sie denn in Ihrer Freizeit?
Ich lese gerne sowohl Erwachsenenliteratur, als auch Romane, Sachbücher oder Kinderbücher, also Querbeet.


Haben Sie ein Lieblingsbuch?
Ja. Das wechselt zwar oft, aber im Moment habe ich Käte Recheis entdeckt, die sehr gute Bücher schreibt.


Arbeiten Sie hier allein?
Nein, ich habe hier meine Kollegin.


Warum haben Sie denn diese Buchladen aufgemacht?
Ich habe vorher in der Buchhandlung gearbeitet, die ich jetzt gekauft habe. Und da ist mir aufgefallen, dass ich diesen Buchladen gerne selber führen würde. Ich wollte selbstständig die Entscheidungen treffen, welche Bücher in diesem Laden sein sollen. Und dann habe ich diese (richtige) Entscheidung getroffen, den Buchladen aufzukaufen.

Ihr Buchladen steht in einer Straße, in der es jetzt nicht so die besten Parkplatzmöglichkeiten gibt. Ist das nicht unpraktisch?
Nein. Die meisten kommen hier zu Fuß oder mit dem Fahrrad.
Man kann auch mit dem Auto kommen, denn hinter der Buchhandlung ist auch ein kleiner Parkplatz.


Wie viele Leute besuchen Sie an einem Tag?

Das ist sehr unterschiedlich. Die Hauptsaison ist natürlich vor Weihnachten. Während der Ferien kommen weniger Kunden, weil natürlich sehr viele Kunden dann im Urlaub sind. Sonst ist es natürlich unterschiedlich.


Was muss Iihrer Meinung nach ein guter Buchhändler können?
Ein guter Buchhändler muss vor allem zwei große Lieben haben: 1. Natürlich zur Literatur, also zu Büchern. Er muss also gerne lesen. 2.: Wenn er Buchhändler ist, handelt er ja mit Büchern, ist also nicht Bibliothekar. Er muss also vor allem auch den Umgang mit Menschen verstehen. Er hat ja andauernd mit ihnen zu tun. Der Verkaufsaspekt ist deswegen auch wichtig: Bücher haben ja einen doppelten Charakter. Sie sind materiell zu verstehen und, das ist eigentlich das Wichtigsten, der Inhalt, also das, was sich von dem Entziffern von Buchstaben, zu Wörtern und Sätzen und Inhalten entwickelt und das was dann entsteht, das Verursachen von Gefühlen, dieses Geheimnis… das muss ein guter Buchhändler verstehen.


Das erinnert mich so ein bisschen an die Unendliche Geschichte. Bastian hatte eine ähnliche Einstellung zu Büchern.
Ja ich finde das eigentlich auch so. Ja, der Michael Ende hat auch sehr viel guttoll formuliert und in Bilder gepackt. Auch die Momo, (oder ist es der Momo?). Eher so ein neutrales Kerlchen. Und die
Zeiträuber und die Frage worauf es im Leben ankommt, das ist zutiefst Philosophisch.


Wie wird man Buchhändler? Da gibt es ja keine Ausbildung, oder?
Doch, doch. Es gibt eine richtige Ausbildung zum Buchhändler/Buchhändlerin. Man muss zu aller erst Lehrjahre in einer Buchhandlung absolvieren. Parallel dazu geht man auf einen Schule. So war
es auf jeden Fall bei mir so, das ist, glaube ich, immer noch so. Dann legt man eine Prüfung als Buchhändler/ Buchhändlerin vor der Industrie-und Handelskammer ab. Bei mir war es etwas anders, ich habe neben dem Studieren in einer Buchhandlung gejobbt, das wurde mir dann netterweise als Lehrjahre angerechnet. Aber es gibt diese klassische Ausbildung zum Buchhändler/Buchhändlerin.


Merken Sie es, dass viele Leute Ihre Bücher nur noch im Internet bestellen?
Nein, ich nicht. Allerdings glaube ich, dass der der stationäre Buchhandel allgemein das bereits merkt, aber ich mit meiner kleinen Buchhandlung merke das nicht. Ich kriege das zwar mit, aber es kommen viele Kund(inn)en, die ein Buch entdeckt haben und es lieber bei mir kaufen. Aber ich weiß, dass das ein großes Problem ist.

 

Welche Klassenlektüre würde sie für eine 5. Klasse empfehlen?
Da würde ich das, leider etwas dicke Buch, „Der weiße Wolf“ von der Käte Recheis empfehlen. Wenn das Buch etwas dünner sein sollte z.B. Cornelia Funkes „Der Herr der Diebe“. Oder von einer neuen, jungen Autorin, einer Niederländerin, die Anna Wolz. „Meine seltsame Woche mit Tess“. Louis
Sachar: „Löcher“, oder Klassiker wie Momo und Oliver Scherz: „Keiner hält Don Carlo auf“.

Und noch eine abschließende Frage: Welches Buch sollte jeder einmal gelesen haben?
Also… ich glaube… die Bibel. Das alte und neue Testament.

Warum?
Weil das unser Grund ist. Weil das Sinn aufmacht. Und zwar nicht kirchlich gesehen oder konfessionell. Jeder Mensch hat einen Grund-Mythos und das ist nun mal die Bibel. Das sollte jeder einmal lesen, und zwar nicht irgendeine Kinderbibel mit niedlichen Bildern, sondern wirklich die
Bibel. Und egal welche Übersetzung…


Dann, Vielen Danke für das Gespräch.

Marius Menschick

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