Allgemein Politik

Black lives matter

Ein Afroamerikaner wird von der Polizei brutal umgebracht, obwohl er weder eine Waffe hat, noch sich gewalttätig verhält. Doch anstatt einer Strafe wegen Mordes bekommt der Polizist bloß eine Suspension von seinem Job. Hört sich an wie eine Story aus den 1960ern der USA? Ist es leider nicht.

Amerika hat eine Menge rassistische Geschichte, kein Wunder wenn schon die Gründung auf einem indigenen Völkermord basiert. Und nach jahrelanger Unterdrückung, Sklaverei und Rassentrennung ist Rassismus noch immer ein Problem. Schon wieder wird die extreme Ungerechtigkeit, Doppelmoral und der Rassismus gegen schwarze Menschen im Land sichtbar. Dieses Mal werden sie zu Unrecht und ohne Grund umgebracht, ohne dass ihre Mörder Konsequenzen erfahren.

Der erste Todesfall

… dieser Art ereignete sich Sommer 2014, als ein weißer Polizist den schwarzen Teenager Michael Brown erschoss. Dieser hatte angeblich davor Zigaretten geklaut und befand sich auf dem Heimweg, als die Polizei ihn erwischte, es zu einer Auseinandersetzung kam, bei der sich der Polizist vom unbewaffneten Teenager „lebensbedroht“ fühlte und ihn daraufhin mit zwölf Schüssen in die Brust tötete.

Proteste gegen Rassismus - credits: flickr.com

In Folge kam es überall im Land zu andauernden Unruhen und Demonstrationen gegen rassistische Polizeigewalt, zur Entsendung der Nationalgarde und zur Verhängung nächtlicher Ausgangssperren. Die meisten Proteste waren friedlich, Demonstranten riefen Sprechgesänge und sangen „Hands up, dont shoot!“ (dt.: Hände hoch, nicht schießen!), White silence is violence“ (dt.: „Weißes Schweigen ist gewalttätig“), „No justice, no peace“ (dt.: „Keine Gerechtigkeit, kein Frieden“). Allerdings gab es auch mehrere gewaltsame Unruhen, bei denen Gebäude ausgeraubt und verbrannt wurden, und es zu Schusswechseln kam.

Ungefähr zu dieser Zeit, also im Sommer 2014, formierte sich die internationale Aktivisten-Bewegung BlackLivesMatter (BLM), die sich vor allem auf sozialen Netzwerken besonders für die Gleichberechtigung und gegen Gewalt gegen schwarze Menschen einsetzt. Bis zu diesem Zeitpunkt hat sie mehr als 1.000 Demonstrationen organisiert, gilt als eine der bestorganisierten und sichtbarsten Aktivisten-Gruppen und gewann nationale sowie internationale Anerkennung. Das Hauptmotto der Gruppe lautet „Black Lives Matter“, übersetzt also „Schwarze Leben zählen“ und spricht so besonders ungerechte Tötungen schwarzer Menschen an.

Einige reagierten darauf, indem sie erwiderten, dass „Alle Leben zählen“. Doch genau hier sieht man, dass viele den strukturellen Rassismus in Amerika nicht sehen, oder sehen wollen. Denn wenn „Alle Leben zählen“, wieso passieren solche Ungerechtigkeiten noch immer? Wenn alle Leben zählen, gehören doch die der schwarzen Menschen auch dazu. Wenn alle Leben wirklich zählen würden, wäre der Spruch „Black Lives Matter“ gar nicht nötig.

„Die Feuerwehr würde nicht alle Häuser löschen“

Um noch einmal besser darzustellen wie absurd „All Lives Matter“ ist, hier ein Statement eines BLM-Aktivisten: „Wenn in einer Wohnsiedlung ein Haus brennt, würde die Feuerwehr nicht alle Häuser mit Wasser löschen, weil alle Häuser zählen. Sie würde ihr Löschwasser auf das Haus richten, das brennt, denn das ist das Haus, das die Hilfe am meisten benötigt.“ Natürlich sind alle Menschenleben wichtig. Aber jetzt gerade, in diesem Augenblick, müssen wir uns auf die schwarzen Menschenleben fokussieren, weil dort das Problem besteht und sie die Hilfe am meisten benötigen.

Hands up - don´t shoot

Seit Michael Browns Tötung sind nun zwei Jahre vergangen, und leider war er noch lange nicht das letzte Opfer. In diesen zwei Jahren hat die U.S. Polizei laut dem Unternehmen Fatal Encounters rund 1.200 schwarze unbewaffnete Personen fälschlicherweise getötet und ihre Mörder wurden die meisten Male laufen lassen. Ich bin mir sicher, dass diese Zahl allein schon Bände spricht, und spätestens jetzt jeder eingesehen hat, dass dies ein ernstes Problem ist. Zu den neusten Todesopfern gehören Terence Crutcher, der von einer Polizistin trotz erhobenen Händen und ohne Waffe erschossen wurde, und Keith Scott, der unter ähnlichen Bedingungen getötet wurde.

Das bedeutet also, dass die Unruhen und Proteste in Amerika ein weiteres Mal aufflammen, dieses Mal vielleicht sogar heftiger als zuvor. Demonstranten fordern alle auf mit ihnen auf die Straßen zu gehen, egal ob weiß oder schwarz, und sich für das Richtige stark zu machen. Denn wie schon Martin Luther King sagte, Gerechtigkeit und Freiheit wird einem nie freiwillig vom Unterdrücker gegeben, sondern muss von den Unterdrückten gefordert werden. Und wer in Situationen der Ungerechtigkeit schweigt, der hat die Seite des Unterdrückers gewählt.

Stefania Plougarli

Credits: flickr.com

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